Was ist GNT                 Studienpläne          KVV

Das Studium der Geschichte der Naturwissenschaften und Technik (GNT)

 

1. AUFGABENSTELLUNG UND ZIELSETZUNG

Technische Fähigkeiten und systematisches Wissen über die Natur haben sich im Laufe der Menschheitsgeschichte in einem Maße entwickelt, dass sie heute fast alle Bereiche des Lebens prägen. Diese Entwicklung ist nicht einfach Anhäufung von Wissen und Fähigkeiten. Sie weist Umwege, Brüche und Sackgassen auf, und sie ist vielfältig mit der Entwicklung der Gesellschaft, ihrer Ökonomie und Kultur verwoben. Solche Zusammenhänge bestimmen auch unsere Gegenwart und Zukunft. Ihre historische Erforschung ist ein Beitrag zur Analyse der Bedeutung von Wissenschaft und Technik heute.

Die Naturwissenschafts- und Technikgeschichte erschließt, analysiert und deutet die Geschichtsquellen. Sie fragt nach den Ursachen und Zusammenhängen der Entwicklung. Dies ist aus einer Vielzahl von Blickwinkeln möglich ( z.B. biographisch, ideengeschichtlich, institutionengeschichtlich, sozialgeschichtlich). Der Gegenstand Naturwissenschaft und Technik ist in seinen historischen Erscheinungsformen sehr komplex und verzweigt, was für eine Beschäftigung mit dieser Thematik besondere Qualifikationen erfordert. Insbesondere erzwingt der Gegenstand der Forschung enge Bezüge zu den Natur- und Technikwissenschaften selbst, aber auch zu Wissenschaftstheorie oder Soziologie und natürlich zur allgemeinen Geschichte.

Der Naturwissenschafts- und Technikgeschichte kommt eine "Brückenfunktion" zwischen den Natur- und Technikwissenschaften auf der einen Seite und den Geistes- und Sozialwissenschaften auf der anderen Seite zu. Dem/Der Historiker/in vermittelt das Fach einen Einblick in die historische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Naturwissenschaften und der Technik, während es dem/der Naturwissenschaftler/in und Ingenieur/in die gesellschaftlichen Dimension seines/ihres Fachgebiets verdeutlicht und die historische Bedingtheit wissenschaftlicher Erkenntnis zeigt. Durch das Studium der Naturwissenschafts- und Technikgeschichte sollen die wichtigsten Entwicklungslinien der exakten Naturwissenschaften und der Technik von der Antike bis ins 20. Jahrhundert vermittelt werden. Darüber hinaus dient das Studium dem Kennen lernen der grundlegenden wissenschaftlichen Arbeitsmethoden sowie dem Erwerb vertiefter Kenntnisse in einem oder mehreren der zahlreichen Themenbereiche des Faches.

Ein klar umrissenes Berufsfeld für den/die Naturwissenschafts- oder Technikhistoriker/in gibt es nicht. Außer an Hochschulen, wo es nur wenige Stellen gibt, arbeiten Naturwissenschafts- und Technikhistoriker/innen vor allem in Museen, Archiven, Bibliotheken, in der Wissenschaftsverwaltung und in der Publizistik bzw. in der Öffentlichkeitsarbeit der Wirtschaft. Eine spezielle "Laufbahn" existiert nicht. Berufliche Chancen beruhen in erster Linie auf Eigeninitiative und zusätzlichem Engagement für den speziellen Arbeits- bereich. Die Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik in Stuttgart bemüht sich allerdings, im Rahmen ihres Studiums den Studierenden möglichst frühzeitig den Kontakt mit der Berufspraxis zu vermitteln. Diesem Ziel dienen u.a. Praktika in Museen, Archiven und Betrieben sowie spezielle Lehrveranstaltungen wie Exkursionen, Übungen und Projektseminare.


2. DER STUDIENGANG DER GESCHICHTE DER NATURWISSENSCHAFTEN UND TECHNIK (GNT) AUF MAGISTER)


Das Fach GNT bedient sich in erster Linie der historisch-kritischen Arbeitsmethode, wie sie im Bereich der Geschichtswissenschaften entwickelt wurde. Entsprechend der Eigenart des Faches sind darüber hinaus jedoch Verständnis und Kenntnis der spezfischen Fragestellungen und Arbeitsweisen der exakten Naturwissenschaften und der Technik Voraussetzung für die erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit  Studierende des Faches sind daher gehalten, neben den eigentlichen Fachstudien im Bereich GNT weitere Lehrveranstaltungen sowohl im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften (z.B. Geschichte, Philosophie, Soziologie, Politologie) als auch aus dem
Fächerkanon der Mathematik, Naturwissenschaften und Technik zu besuchen. Lediglich Studierende, die eines dieser Fächer bereits in Ihrer Magisterstudienkombination belegt haben, sind vom Besuch derartiger zusätzlicher Lehrveranstaltungen befreit).
Das GNT-Studium selbst besteht aus dem Besuch von Lehrveranstaltungen (Vorlesungen , Seminare, Übungen, Kolloquien ), der Teilnahme an wissenschaftlichen Exkursionen, sowie dem Selbststudium durch Lesen von einschlägiger Fachliteratur. Insbesondere dem Selbststudium kommt dabei eine große Bedeutung zu, da es der Vertiefung und Verbreiterung des in den Lehrveranstaltungen vermittelten Wissens dient.
Im einzelnen umfasst das Studium im Fach NT folgende Typen von Lehrveranstaltugen:


a) Kursvorlesungen behandeln in einem sechssemestrigen Zyklus Überblicksmäßig die Entwicklung der Naturwissenschaften (Physik, Astronomie, Chemie usw.) und der Technik von der Antike bis ins 20. Jahrhundert.


b) Spezialvorlesungen ergänzen die Kursvorlesungen und vertiefen dabei einzelne Epochen oder Themen aus den Bereichen der Wissenschafts- und Technikgeschichte. Ihre Themen sind zumeist durch die Forschungsschwerpunkte im Fach G NT an der Universität Stuttgart geprägt.


c) Proseminare dienen zur Einführung der Studienanfänger in das Fach und behandeln die Methodik des Fachs (systematisches Proseminar) bzw. vermitteln diese anhand eines bestimmten Themas (thematisches Proseminar).


d) (Haupt- ) Seminare behandeln jeweils bestimmte Schwerpunktsthemen und ienen der Vorbereitung zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten.
Sie setzen daher in der Regel die Beherrschung der Methodik. wie sie in den Proseminaren vermittelt wird, voraus. Im allgemeinen hat der/die Student/in im Laufe dieser Lehrveranstaltungen ein bestimmtes Thema selbstständig zu bearbeiten und in Form eines Referates mündlich vorzutragen. Eine schriftliche Fassung des Referates ist zumeist am Ende des jeweiligen Semesters in Form einer wissenschaftlichen Hausarbeit abzugeben.


e) Übungen werden im Fach GNT im allgemeinen als Lektürekurse durchgeführt, in denen die aktive Mitarbeit der Studierenden verlangt wird. In ihrem Mittelpunkt steht die gemeinsame Lektüre und Interpretation von Quellentexten des Zeitraums, den die jeweilige Kursvorlesung behandelt. Darüber hinaus können Übungen aber auch der gemeinsamen Bearbeitung spezieller Fachthemen dienen.


f) Kolloquien sind Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, in denen Mitarbeiter, Doktoranden oder fortgeschrittene Studierende der Abteilung und auswärtige Wissenschaftler über Ihre Arbeiten und Forschungen zur Wissenschafts-, Naturwissenschafts- und Technikgeschichte berichten.


g) Exkursionen sind ein- oder mehrtägige Studienfahrten zu Zielen, die für die Ausbildung von Wissenschafts- und Technikhistorikern/innen von Interesse sind (Museen, Forschungseinrichtungen, Denkmale usw. ). Im Allgemeinen finden für die Exkursionen eigene Vorbereitungsseminare statt, deren Besuch für die Exkurslonsteilnehmer Pflicht ist.


h) Projektseminare, die je nach Bedarf und Möglichkeiten in unregelmäßigen Abständen stattfinden, dienen der unmittelbaren Vermittlung praktischer Forschungserfahrungen durch die Beteiligung der Studierenden an konkreten Forschungsprojekten der Abteilung. Sie finden in der Regel in Form von Hauptseminaren statt.


Das Studium im Fach GNT erstreckt sich grundsätzlich auf drei Bereiche:


1. Geschichte der Naturwissenschaften und Technik
2. Mathematische, naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Grundlagenfächer)
3. Geschichte

Alle Studierenden haben die Lehrveranstaltungen des Hauptbereichs GNT (1.) zu besuchen, während für die genannten Nebenfächer (2. und 3.) nur dann eine Studienpflicht besteht, wenn diese nicht ohnehin als weiteres Haupt- oder Nebenfach im Bachelorstudiengang enthalten sind.


Studienziele des Grundstudium:s

-Überblick über die Geschichte der Naturwissenschaften und Technik seit der Antike;
-Einblick in die Entwicklung naturwissenschaftlich-technischer Ideen und Theorien und deren Beziehungen zur Geistes-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte;
-Kenntnis der allgemeinhistorischen wie der fachspezifischen Fragestellungen und Methoden;
-Umgang mit Sekundärliteratur, verschiedenen Quellen und Quellenarten sowie bibliographischen und sonstigen Hilfsmitteln.


Tipps für Studienanfänger/innen

Studienanfänger/innen beginnen ihr Studium im Fach GNT im allgemeinen mit einem Proseminar (Einführung in das Studium) sowie dem Besuch der Kursvorlesung und dem dazugehörigen Lektürekurs. Je nach Studienbelastung können da zu weitere Lehrveranstaltungen treten, wobei bestimmte Vorschriften nicht vorhanden sind. Jeder/Jede Studierende trägt hier selbst Verantwortung. Es empfiehlt sich jedoch, gerade in den ersten Semestern seinen Studienplan nicht zu überfrachten. Die Studierenden, die noch kein Latinum nachweisen können, sollten möglichst um- gehend die an der Universität Stuttgart angebotenen Latein-Kurse belegen . Diese Kurse werden jedes Semester angeboten und bereiten in zwei Semestern auf die Prüfung zum Latinum vor. Für individuelle Beratung in allen Fällen stehen die Mitarbeiter des Lehrstuhls in ihren Sprechstunden ( siehe entsprechende Anschläge) den Studierende zur Verfügung. Orientierungshilfen und Insidertipps gibt auch die Fachschaft.

Studienziele des Hauptstudiums:

Das Hauptstudium dient der Erweiterung und Vertiefung der im Grundstudium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse. Forschungsorientierte Lehrveranstaltungen sollen die Studierende n zu selbständiger wissenschaftlicher Arbeit anleiten. Die fachliche Vertiefung kann vor allem in den beiden Schwerpunktsbereichen Geschichte der Naturwissenschaften bzw. Geschichte der Technik erfolgen. Die weitere Vertiefung in ein Spezialgebiet ergibt sich in der Regel aus den naturwissenschaftlichen oder technischen Fachrichtungen, mit denen der/die Studierende besonders vertraut ist, aus seinen/ihren Berufsabsichten sowie den Forschungsschwerpunkten des Lehrstuhls in Stuttgart.
Unter Berücksichtigung der Mindestanforderungen kann sich jeder/jede Studierende den Studienplan den besonderen Interessen entsprechend zusammenstellen.

3. AUSKÜNFTE

Nähere Informationen zum GNT -Studium erteilen die Mitarbeiter der Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik in ihren Sprechstunden, deren Termine im Sekretariat der Abteilung zu erfragen sind. Jedem/Jeder Studienanfänger/in ist dringend zu raten, die - vor allem zu Beginn jeden Semesters stattfindende -Studienberatung der Abteilung und der Fachschaft zu besuchen.

Studienberatung GNT: Beate.Ceranski@po.hi.uni-stuttgart.de


Bibliothek

Der Fachbereich GNT besitzt eine eigene Präsenz-Bibliothek mit etwa 10.000 Büchern aus dem Bereich der Wissenschafts- und Technikgeschichte. Außerdem gibt es eine Sammlung gängiger Fachzeitschriften. Bibliothek und Zeitschriftensammlung stehen den Studierenden zur Verfügung. Die GNT-Bibliothek befindet sich in der Bibliothek des Historischen Instituts.

top